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Martin Schlüter
© Martin Schlüter
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Alter Domplatz

Betrachtet man die Geschichte des Standorts, reicht der Blick bis zu der Geburtsstunde Hamburgs zurück. Grundstein und Namensgeber der Stadt war die im Jahr 817 durch Karl den Großen errichtete Hammaburg, die genau an dieser Stelle gestanden haben soll. Über 550 Jahre lang trug der Platz außerdem das Fundament des St. Marien-Doms und markierte bis zu seinem Abriss am Anfang des 19. Jahrhunderts das Zentrum der Hansestadt. Die Nutzungspläne der vergangenen zwei Jahrhunderte waren gleichermaßen vielfältig wie kurzlebig. In den letzten 60 Jahren konnte die Freifläche als geschotterter Parkplatz seiner historischen Bedeutung nicht gerecht werden und so wurde in der jungen Vergangenheit der Wunsch nach einer repräsentativen Lösung mit geschichtlicher Anlehnung immer dringlicher. Für den städtebaulichen Kontext brachte die Entscheidung gegen Hochbau auf dem Gelände viele Vorteile mit sich. Die Freifläche verweist nicht nur auf ihr historisches Erbe, sondern schafft vor allem Naherholungsmöglichkeiten für Anwohner, Besucher und Berufstätige in der Ham- BREIMANN & BRUUN LANDSCHAFTSARCHITEKTEN burger Altstadt. Das planerische Konzept verfolgte ein didaktisches Ziel bei gleichzeitiger hoher Aufenthaltsqualität. Eine Dualität, die sich programmatisch durch alle Bereiche und Elemente der Gestaltung zieht. Das präsenteste Beispiel hierfür sind die 42 weißen Acrylmodule, die den Platz rasterhaft überspannen. In ihren Materialeigenschaften eignen sie sich ideal als Sitzgelegenheiten, da Acryl zum einen wärmer als Metall oder Stein und zum anderen deutlich pflegeleichter als Holz ist. In ihrer Anordnung verweisen sie außerdem direkt auf den Grundriss des alten Doms, indem sie die Stellen markieren, an denen sich früher die Pfeiler des Gebäudes befunden haben. Sie stehen in direktem Zusammenhang mit fünf skulpturalen Elementen, die dem ehemaligen Stadtwall nachempfunden wurden. Schwarz lackierter Stahl erzeugt eine hohe Plastizität, die zu dem ansteigenden Rasenteppich innerhalb der Wallfragmente einen reizvollen Kontrast aufbaut. Die zwei rechtwinklig zueinander verlaufenden Pflasterwege verhalten sich diagonal zu der Anordnung der Acrylsitzkissen und werden von diesen zum Teil überlagert. So ergibt sich ein angenehmer Bruch in der Linienführung, der die Gesamtwirkung des Platzes deutlich auflockert. Die Wege treffen außerhalb der Grünfläche aufeinander und bilden in ihren Endpunkten ein Kreuz, das sich vom helleren umgebenden Pflaster klar abhebt. Neben seiner Funktion als natürliche Aufenthaltsfläche soll durch den Rasen ein Großteil des innerstädtischen Lärmaufkommens absorbiert werden, was wiederum der ruhigen Atmosphäre zugute kommt. Der Platz zeigt sich nicht als Kompromiss, sondern als harmonische Balance zwischen Architekturdenkmal und urbanem Freiraum. Obwohl die Anwesenheit des Doms immer zu spüren ist, da er sich elegant in der Struktur des Entwurfs zu erkennen gibt, unterstützen alle Elemente die Qualität des Platzes als vielfältig nutzbare Freizeitfläche und als natürliche Aufwertung des Stadtbildes. Ein besonderer visueller Reiz wird nach Einbruch der Dämmerung entwickelt, wenn die Acrylmodule sich als Leuchtkörper zu erkennen geben und den Domplatz in gedämpftes Licht tauchen.
 © Breimann & Bruun
© Breimann & Bruun
Baujahr
2009
Standort
Hamburg
Deutschland

Breimann & Bruun

Breimann & Bruun GmbH & Co. KG Garten- und Landschaftsarchitektur
Borselstr. 18
22765 Hamburg
Deutschland

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